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Bakterium Xylella fällt über Apuliens Olivenhaine her

Der Olivenbaum hat unzählige Jahrtausende überdauert.

Hitze, Dürre, armselige Sand- oder Felsenböden machen dem knorrigen Olivenbaum - ein wahrer Überlebenskünstler - nichts aus. Wird er jetzt ein Opfer der Globalisierung? Gibt es bald keine Olivenbäume mehr und dann auch keine Olivenholzprodukte? Regiert in der Küche statt Olivenholz bald nur noch Plastik und Bambusholz?

Das aus Amerika eingeschleppte Bakterium Xylella Fastidiosa lässt Millionen von Olivenbäumen in Italiens Region Apulien verdorren. 

Im Oktober 2013 fiel der Befall auf der für ihre prächtigen Olivenhaine berühmten Halbinsel Salento erstmals auf: Ehrwürdige, bislang kerngesunde Bäume vertrockneten und starben binnen kurzer Zeit ab. Unter Hochdruck forschte man nach den Ursachen der damals noch mysteriösen Krankheit. Bald fiel der Verdacht auf die im Leitgewebe befallener Bäume gefundenen Xylella-Bakterien. Heute gilt nun als sicher, dass sie die alleinigen Verursacher der Symptome sind: Durch ihre schiere Masse scheinen sie die Wasserleitbahnen im Holz zu blockieren.

Eingeschleppter Erreger ist nicht wählerisch

Das in Übersee heimische und dort seit Jahrzehnten wohlbekannte Bakterium verursacht in Süd- und Nordamerika immer wieder erhebliche Schäden. Ein Gegenmittel gibt es bislang nicht. In der Wirtswahl ist Xylella sehr flexibel: Die Art befällt Weinstöcke, Pfirsichbäume, Zitrusgewächse, Kaffeesträucher und andere Zier- und Nutzpflanzen. Tatsächlich stehen als Zierpflanzen importierte Kaffeepflanzen aus Amerika im Verdacht, den Schädling nach Europa eingeschleppt zu haben.

Bakterium Xylella + Zikaden = Epidemie für Olivenbäume?

Die Erkrankung breitete sich rasend schnell aus: 2013 waren 8.000 Hektar mit etwa 600.000 Bäumen betroffen, Anfang 2015 hatte sich der Befall bereits auf 230.000 Hektar Olivenhaine in Apulien ausgeweitet. Für die Verbreitung des Xylella-Bakteriums sind Zikaden, eventuell auch andere Insekten verantwortlich. Sie saugen Pflanzensaft aus dem Leitgewebe befallener wie bislang gesunder Bäume und werden so zu Vektoren der Infektion.

Kompromisslose Rodung als einziger Ausweg?

Das italienische Landwirtschaftsministerium fordert die Rodung und Vernichtung eines Hains, sobald 30 Prozent der Bäume betroffen sind. Das betraf in den letzten Monaten Millionen von Olivenbäumen. Sie wurden gefällt und verbrannt, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Begleitet von Protesten – schließlich geht es um die Lebensgrundlage vieler Olivenbauern ... und eigentlich auch um ein Stück von Italiens Seele. Wie der Olivenholzbaum gehören auch die Produkte aus Olivenholz zur Kultur des Mittelmeeres - dieses ausdrucksstarke Holz mit seiner viellfältigen Maserung gibt den Mörsern, Schalen, Schüsseln und Schneidebretter ihre Originalität. 

Die EU macht Druck: Die EU-Landwirtschaftskommission sieht sich in der Pflicht, die weitere Ausbreitung des Bakteriums mit ihren unabsehbaren Folgen zu verhindern. Nicht nur Olivenbäume, sondern auch Weinstöcke, Beerensträucher und Obstbäume in Europa wären bedroht. Daher wurden Ende April in Brüssel verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie beschlossen. Demnach sollen auch bislang gesunde Olivenbäume und andere Wirtspflanzen des Bakteriums in einem 100 Meter-Radius um infizierte Bäume vernichtet werden.

Handelsbeschränkungen und -verbote für bestimmte Pflanzen und landwirtschaftliche Produkte treten in Kraft.

Von dem durch die Einschleppung des Opossums im 19. Jahrhundert verursachten ökologischen Alptraum in Neuseeland bis zur Ebola-Ausbreitung: Solche Tragödien passieren, wenn Menschen und Güter zwischen den Kontinenten unterwegs sind. Manche lassen sich eindämmen, andere nehmen ihren Lauf. Der amerikanische wilde Wein hat sich angepasst: Er ist resistent gegen das Bakterium. Allerdings trägt er auch keine wohlschmeckenden Trauben, sondern nur saure, erbsengroße Beeren.

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